Hier checkt das Auto mit ein
Im Hotel von Rotz in Wil SG gelangen nicht nur die Gäste bequem aufs Zimmer – auch ihre Autos fahren mit. Möglich macht das ein aussergewöhnlicher Autolift von Schindler. Hinter dem Projekt steckt ein Unternehmer, der seit fast fünf Jahrzehnten lieber neue Ideen entwickelt, als sich auf Erfolgen auszuruhen.
Lautlos rollt der schwarze Porsche Taycan auf die geöffnete Liftplattform vor dem Hotel von Rotz in Bronschhofen, einer Ortschaft nördlich von Wil SG, zu. Zentimeter für Zentimeter verschwindet der vollelektrische Sportwagen hinter den Türen. Einige Augenblicke später öffnet sich der Lift erneut – allerdings nicht in einer Tiefgarage, sondern mitten im Hotelzimmer «007». Wo andere Gäste ihren Koffer abstellen, parkt hier ein Auto. Hanspeter von Rotz beobachtet die Szene mit einem zufriedenen Lächeln. «Die Leute schreien manchmal vor Freude, wenn sie das zum ersten Mal erleben», sagt der Unternehmer. Genau solche Momente treiben den 73-Jährigen auch heute noch an. «Ich überlege mir immer: Was gefällt den Kunden? Und was gibt es noch nirgends?» Diese Frage begleitet den Unternehmer seit fast 50 Jahren. Aus seinem Einmannbetrieb von einst ist eine der grössten Autowelten der Ostschweiz entstanden – mit rund 220 Mitarbeitenden, 21 Automarken und zahlreichen weiteren Angeboten. Und der gebürtige Obwaldner sprudelt auch heute noch vor Ideen.
Vom Bauernbub zum Unternehmer
Aufgewachsen ist Hanspeter von Rotz auf einem Bauernhof in Sarnen. Nach der Lehre als Automechaniker zog es ihn wegen seines Hobbys – dem Motocross – in die Ostschweiz. Dort fand er bessere Trainingsmöglichkeiten und verwirklichte schon bald seinen Traum von der Selbstständigkeit. Was folgte, war eine Erfolgsgeschichte, geprägt von Mut, Fleiss und dem Willen, immer einen Schritt weiter zu gehen. Stillstand war für Hanspeter von Rotz nie eine Option. «Im Geschäft muss man weiter denken – sonst kommt man nicht weit», sagt er. Lieber investierte er in neue Ideen und den Ausbau seines Unternehmens als in persönliche Luxusgüter. «Früher musste ich das Geld für die Firma zusammenhalten. Und heute interessiert mich ein teures Auto gar nicht mehr.»
Erlebnisse statt Hotelzimmer
Mit seiner Auto Welt von Rotz hatte sich Hanspeter von Rotz längst einen Namen gemacht, als er sich vor einigen Jahren einem neuen Projekt widmete: einem Hotel. Eine gewöhnliche Unterkunft wäre ihm jedoch zu wenig gewesen. «Ich habe überlegt: Was gibt es noch nicht?», erzählt er. Inspiration holte er sich auf Reisen rund um die Welt – unter anderem in Las Vegas. Dort faszinierte ihn, wie Hotels ihren Gästen weit mehr bieten als bloss ein Bett für die Nacht. «Ich schaue überall genau hin und nehme Ideen mit nach Hause.»
So entstanden zunächst im 2019 eröffneten Hoteltrakt verschiedene Themenzimmer, die Geschichten erzählen. Eines erinnert an eine Scheune – eine Hommage an seine Kindheit auf dem Bauernhof. Ein anderes greift eine Autowaschanlage auf, ein weiteres sieht aus wie eine Tankstelle im Stil der 60er-Jahre. Mit dem 2025 eröffneten Neubau, der direkt mit dem bestehenden Hotel verbunden ist, kam schliesslich das spektakuläre Zimmer «007» dazu.
Ein Lift, der Teil des Erlebnisses ist
Damit aus dieser ungewöhnlichen Idee Realität werden konnte, brauchte es einen Partner, der bereit war, neue Wege zu gehen. «Bevor uns Herr von Rotz sein Vorhaben schilderte, hatten wir dem Baumanagement zunächst einen klassischen Autolift angeboten», erinnert sich Philipp Grässli, Verkaufsleiter Neuanlagen bei Schindler St. Gallen. «Doch Hanspeter von Rotz ist ein Visionär. Ihm genügte eine Standardlösung nicht.» Gemeinsam mit den Planerinnen und Planern entwickelte man einen Lift, der weit mehr ist als ein Transportmittel. Die Kabine greift die Gestaltung des Hotelzimmers auf: Holzverkleidungen an den Seitenwänden, dasselbe Fischgrat-Parkett wie im Zimmer, eine abgestimmte Beleuchtung und grossformatige James-Bond-Motive machen den Lift selbst zum Erlebnis.
«Herr von Rotz hatte immer wieder neue Ideen – und wir haben versucht, seine Wünsche so gut wie möglich umzusetzen», sagt Philipp Grässli. Neben dem Autolift realisierte Schindler im Hotel auch zwei Personenlifte sowie einen Küchenlift für das Restaurant Cabrio. Auch Hanspeter von Rotz erinnert sich gerne an die Zusammenarbeit mit Schindler zurück. «Schindler war mit viel Engagement dabei und hat unsere Ideen umgesetzt – obwohl manches auch für sie Neuland war.» Besonders schätzt er die Bereitschaft, individuelle Lösungen zu entwickeln. «Mit Schindler konnten wir praktisch alles machen.»
Die Ideen gehen ihm nicht aus
Mit dem 007-Zimmer hat Hanspeter von Rotz eine weitere seiner ungewöhnlichen Ideen verwirklicht. Doch wer glaubt, damit seien ihm die Visionen ausgegangen, täuscht sich. Obwohl die Nachfolge mit Tochter Karin, Sohn Daniel und Schwiegersohn Andrej Rüegg längst geregelt ist, beginnt sein Arbeitstag noch immer früh. «Normalerweise bin ich um sechs Uhr morgens im Restaurant», erzählt er. Dort frühstückt er gemeinsam mit den Hotelgästen. Es wird über Gott und die Welt gesprochen, manchmal entstehen daraus sogar neue Geschäftskontakte. Vor allem aber erfährt er aus erster Hand, wie seine Ideen ankommen. «Auch nach fast 50 Jahren freue ich mich über jede Rückmeldung», sagt er.
Neue Ideen hätte er übrigens noch viele. Doch inzwischen geht es ihm weniger darum, immer grösser zu werden. «Jetzt machen wir zuerst einen Zwischenhalt», sagt er. Die nächste Generation soll den Betrieb in ihrem Tempo weiterentwickeln können. Sein Ziel sei es, ein Unternehmen zu hinterlassen, das auch in vielen Jahrzehnten noch erfolgreich ist. Beim Abschied lädt Hanspeter von Rotz im Restaurant Cabrio noch auf ein Dessert ein. Er hebt das Glas, lächelt und sagt: «Ich bin der Hanspeter.» Vier Worte, die mehr über ihn erzählen als jede lange Erklärung.